Der ehemalige Stammsitz der Grafenfamilie umfasste einen massiven, dreistöckigen Flügelbau, versehen mit einem nagelneuen, dunkelrot glänzenden Dach. Zwei prächtige Atlantenpaare stützen rechts und lings den schmalen Balkon, der sich über dem Eingangsportal erhebt. An der Rückseite des Schlosses führte eine geschwungene Freitreppe mit flügelgleichen Stufen in den Park. Von hier aus konnte man auch den See spüren, romantisch verborgen hinter hohem Schilf, der die weitreichende Gartenanlage einst prägte.
Erstmals 1389 erwähnt, hatte das Schloss und die Ortschaft Brody ihre Bedeutung insbesondere der Tatsache zu verdanken, dass Heinrich Graf von Brühl, Minister Augusts des Starken und Premier bei August III., Kurfürsten von Sachen und Könige von Polen, im 18. Jahrhundert ein Auge auf das Anwesen warf. Er erkannte seine vortreffliche Lage in der Mitte zwischen Dresden und Warschau und erwarb es. Auf den wiederholt notwendigen Reisen zwischen den beiden Herrschaftszentren der sächsischen Magnaten konnte in Pförten bequem Station gemacht werden.
Entsprechend vornehm ließ Brühl das Schloss ausstatten. Nicht er allein residierte hier mit seiner Familie in den nun folgenden Jahren, sondern hin und wieder auch das absolute Machtoberhaupt des Landes samt seinem Hof, seinen Begleitern und ihrer jeweiligen Entourage.
Doch leider sollte dem barocken Schloss- und Gartenensemble von Pförten nur ein kurzer Höhepunkt beschieden sein. So steil wie Brühl Aufstieg gewesen war, so vehement waren die Ressentiments, die sein starker Einfluss am sächsischen Hof hervorriefen. Im Siebenjährigen Krieg ließ Friedrich II. von Preussen Schloss Pförten 1758 kurzerhand brandtschatzen, eine Vorgehensweise, die er seinen Husaren eigens befehlen musste, denn sie war preußischen Soldaten gewöhnlich streng untersagt. Auch Brühls Palais in Dresden ließ der Preußenkönig plündern, die Einrichtung zerschlagen, vieles davon rauben und nach Potsdam bringen. Lange Jahre wurde darum gerätselt, warum der Preussenherrscher einen solchen Hass gegen Sachsens Premier hegte…
Immer noch imposant ist das Schloss und die restaurierten Kavaliershäuser – nebst Hotel und nur kurz hinter Forst an der deutsch-polnischen Grenze liegend – einen Ausflug wert.



